"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Sonntag, 24. Juli 2016

Warum Selfpublishing? Teil 2

Dies ist die Geschichte von X. Ich habe ihn im Sanatorium kennengelernt. Zwischen all den anderen Verrückten, denen mit und denen ohne Schlüssel, war er einer der wenigen, der mir nicht sonderlich verrückt erschien. Dennoch, gehörte er an diesen Ort, wie kaum ein anderer. X hatte sich selbst eingewiesen.  Ich erzählte X von meinen Ideen als Autor weiter zu machen. Wir haben in den Wochen meines Aufenthalts, viele, lange und sehr intensive Gespräche geführt. Über das Schreiben. Das Leben. Das Autorendasein ...

X hatte über 10 Jahre geschrieben und veröffentlicht. Er hatte alle Varianten durch probiert. Von den Anfängen des POD, über das reine Selfpublishing gedruckter Bücher, bis hin zu einem Autorenvertrag mit einem Verlag. Er hatte die Werbeversuche von DKZ Unternehmen überstanden, ebenso die Versprechen eines Verlagsvertreters, der sich als Literaturagent profilieren wollte. All das, zum Glück, ohne finanziell groß auf die Schnauze zu fallen. Nicht unbedingt, weil er schlauer war als andere Autoren, sondern einfach, weil er nie das Geld hatte, das diverse dubiose Gestalten im Literaturgeschäft von ihm als Vorschuss haben wollten.

In den Jahren hatte er sich eine überschaubare, aber treue Stammleserschaft aufgebaut, hatte sich selbst, seine Art zu schreiben und seine Auftritte zu einer eigenen Marke etabliert, aber nie geschafft, bei allen seinen Unternehmungen auch nur die Unkosten zu decken.

Irgendwann bekam er das Angebot bei einem Verlag unterzukommen. Einem sog. Independentverlag, der sich selbst den »Fairlagen« zuordnete. (Obwohl man die vertraglich vereinbarte Mindestabnahme sog. »Autorenexemplare«, auch wenn es nur eine zweistellige Zahl ist, bereits den DKZ Unternehmen zuordnen muss!) Prinzipiell sah der Vertrag aber ziemlich normal aus. X veröffentlichte in der Folge mehrere Bücher bei dem Verlag. Man hatte ihm signalisiert, dass seine Shortstories super ins Programm passen würden und seine bereits vorhandenen Eigenbemühungen und bescheidenen Erfolge in der gemeinsamen Zusammenarbeit spätestens in drei Jahren Früchte tragen würden.

Darüber hinaus begrüßte man seine Exposés zu Romanen, da man von diesen zuwenig im Programm hatte, dies aber gerne in diese Richtung erweitern wollte.

Der Erfolg blieb allerdings aus. Im Gegenteil, er ging sogar zurück. Der Verlag verkaufte weniger Bücher, als X vorher im Alleingang pro Release geschafft hatte, seine »legendären« Auftritte wurden von immer weniger Publikum besucht ...

Der Verlag sagte X, dass er seine Shortstories überarbeiten müsse. Sie müssten kürzer werden, die Pointe müsse früher kommen. Dann müsse er sich damit bei Poetry Slams und Lesebühnen bewerben. Beides Richtungen, in die X nie gearbeitet hatte. Dann sagte man X, er müsse einen Blog etablieren. Über irgendwas. Nur nicht über seinen Roman. Das würde zu sehr nach »Verkaufen wollen« aussehen. Der Roman würde sich dann aber ganz allein verkaufen, wenn er einen erfolgreichen Blog hätte.
Außerdem müsse X Veranstaltungen organisieren. Am besten Lesebühnen. Wo er selbst und andere Autoren auftreten können. Natürlich die verlagseigenen Autoren aus den anderen Städten. Im Gegenzug könne er selbst dann in deren Heimatlocations auftreten. Das so entstehende Netzwerk würde den Erfolg bringen ...

X wollte aber nie einen Blog schreiben. Wozu? Alles, was er schreiben wollte, stand in seinen Shortstories und seinen Romanen. X wollte nie zu Poetry Slams u. Ä.. X wollte auch nie Veranstalter von Lesebühnen sein. Er wollte Autor sein. X hatte sogar in Eigeniniative kostenpflichtige FB Werbung geschaltet. Seine Vorschläge, was gerade den Romanverkauf fördern könne, wurden alle abgelehnt. Leserunden würden, nach Aussage des Verlages, nichts bringen. Die Leute würden da nur kostenlos Bücher abstauben wollen und keine Rezensionen schreiben. Den Preis des E-Books senken, ginge nicht, da man als kleiner Verlag bei Amazon einen gewissen Mindestpreis kalkulieren müsse. Die Möglichkeiten Akquise zu betreiben, um die von X sehr genau definierte Zielgruppe seines neuen Romans, anzusprechen, habe man als kleiner Verlag leider nicht.

Dies sind nur die Fakten. Ich werte nicht. X bekam verschiedene gesundheitliche Probleme, brach zusammen, weshalb er schließlich dort landete, wo ich ihn kennenlernte.

X schreibt nicht mehr. Sein Gesundheitszustand zwang ihn, sein Leben komplett zu ändern. Seine Bitten, ihn aus zwei bestimmten Klauseln der Verträge (jährlich eine bestimmte Anzahl von Lesungen zu absolvieren und jedes weitere Werk dem Verlag vorzulegen) zu entlassen, da er diese aus o. g. Gründen nicht mehr erfüllen kann, wurden abgelehnt.

Ich hoffe, dass es X in seinem neuen Leben gut geht. Wir haben uns nach meiner Entlassung aus den Augen verloren. Seine Geschichte ist allerdings einer der stärksten Gründe, weshalb ich mich für das Selfpublishing via KDP entschieden habe.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Warum Selfpublishing?

Weil die Möglichkeiten dies zu tun, mittlerweile ein sehr kalkulierbares Risiko aufweisen. Wenn wir mal grundsätzlich davon ausgehen, dass nicht jeder Autor, der nicht bei einem »richtigen« Verlag unterkommt, nicht gleich schlecht ist.

Ja, ich kenne die Diskussion, dass durch das »einfache« Selfpublishing eine Menge Mist auf dem Literaturmarkt ist. Aber wer entscheidet das? Doch wohl der Leser, oder? Also kein Lektor, kein Marketingstratege eines Verlages und schon gar nicht andere Autoren! Mich erinnert die ganze Diskussion darum, an meine Vergangenheit hinter dem eisernen Vorhang. Da wurde von staatlicher Seite auch eine Menge Vorauswahl in der Literatur getroffen. Ich kann im Nachhinein sagen, dass das Meiste, was ich als Kind und Jugendlicher aus den offiziellen Quellen gelesen habe, sogar sehr gut war. So finde ich die russische, polnische und DDR-deutsche Sciene-Fiction in großen Teilen bis heute um Längen besser, als vielen anglo-amerikanischen Rotz ... und dennoch bin ich froh, dass ich die Auswahl seit dem Fall des eisernen Vorhangs selbst treffen kann!

Selbst Bücher verlegen, ist schon eine Weile möglich. Allerdings war es, bis vor wenigen Jahren noch unerschwinglich teuer und das Risiko somit nur Verluste zu schreiben, bzw. einen Aufwand zu treiben, der niemals im Verhältnis zum Nutzen stand, viel zu hoch.

Selbst die erste Revolution im Buchmarkt, das »POD«, änderte nichts daran, dass man das gedruckte Buch auch noch irgendwie in den Vertrieb kriegen musste. Eine ISBN war nicht teuer. Aber im Grunde scheiterte es schon am Druck. Der Digitaldruck war zwar vergleichsweise günstig, aber im POD immer noch so hoch, dass der Endpreis für ein Taschenbuch vom Leser nur selten akzeptiert wurde.

Versuchte man vernünftig zu kalkulieren und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen, musste man in den klassischen Off-Set-Druck, der sich aber erst ab einer Auflage von mindestens 1000 Stück lohnt. Selbst wenn man die in Tschechien produzieren lässt. Man hat dann also 1000 Hardcover im Keller, die zwar einen marktüblichen Endpreis aufweisen, aber sonst ...

Marketing? Werbung? Buchhandel ...

Mit der Digitalisierung auch des Buches und vor allem dem Erfinden einer endlich akzeptablen Hardware (E-Reader) zog eine Revolution in die Literatur ein, die durchaus mit dem Beginn der MP3 und iPod Ära vergleichbar ist. (Und ironischerweise machen die sog. »Großen« der Branche, genau dieselben Fehler, wie die Majorlabels des Musikbusiness damals. Sie verteufeln alle, die einen anderen Weg gehen, machen ihre eigenen Produkte immer teuer und jammern, dass die immer weniger gekauft werden, während der Markt der E-Books stetig ansteigt ...)


Wenn ich heute ein E-Book veröffentlichen will, halten sich die Kosten für Herstellung, Veröffentlichung, Werbung und Marketing, dank Amazon, Social-Medias u. A. im überschaubaren Rahmen. Natürlich muss ich eine Menge Zeit investieren. Eben nicht nur ins Schreiben. Aber ehrlich, Leute. Die Zeiten, wo ein Autor »nur« geschrieben hat und sein Verlag den ganzen Rest übernommen hat, sind auch bei den sog. »Publikumsverlagen« schon lange vorbei. Im Gegenteil. Da wird von einem immer öfter die eigene Mitarbeit gefordert, die mittlerweile sehr weit in den Bereich des klassischen verlegens hineinreicht. Ich rede hier nicht über DKZV! Über die rede ich nicht, weil es keine Verlage sondern Anbieter von Druckdiensleistungen sind!

Oft gehen die Forderungen der Verlage dann auch ans Eingemachte. An das, was der Autor schreiben soll. Mach es mal so und so, dann läuft es in drei Jahren ... wenn nicht, dann bist du selbst schuld.

Egal, wie man Erfolg für sich definiert, er benötigt auf jeden Fall zuverlässige, engagierte Partner. Oder, man macht es eben gleich allein.

Der große Vorteil des Selfpublishing via Amazon ist für mich, dass mir Amazon nicht irgendetwas verspricht. Sie bieten mir ganz klar eine bestimmte Dienstleistung an, für die ich durch den prozentualen Anteil am Verkauf bezahlte. Der Rest, liegt an mir. Ich habe es in der Hand.

Ich kann schreiben, was ich will. Niemand verspricht mir, dass das der nächste große Renner wird. Ich schaue in die »Hitlisten« bei Amazon, nach anderen Werken, die ich dem selben Genre wie mein eigenes zuordnen würde. Ich freue mich, dass da z. B. ein E-Book bei » Nr. 4 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Horror > Geister « steht. In der allgemeinen Auflistung »Bezahlt in Kindle-Shop« steht es allerdings irgendwo bei 5752 oder so.
Ernüchternd nicht?
Vor allem, wenn man weiß, dass alles was unter Platz 1000 ist, so gut wie nichts verkauft.

 Ich weiß also, worauf ich mich einlasse! Wenn ich in die Top 100 will, dann muss ich mein Talent halt nutzen, das Schreiben als Arbeit sehen, für die ich Geld verdienen will, und eben genau das fabrizieren, was der Markt fragt. Von mir aus eben aktuell Chic-Lit.

Ich will es nicht. Ich will meine völlig idiotische Mischung aus Thriller-Komödie-Horror-Krimi-Mystery unter die Leute jubeln und ich weiß jetzt schon, dass ich damit wohl kein Geld verdienen werde. Aber es ist meine Entscheidung. Ich habe es in der Hand! Das Geld und die Zeit, die ich investiere ist es mir(!) wert.

Man kann es auch größtmögliche Freiheit nennen. Die ist immer mit Risiken und vor allem mit Verantwortung verbunden. Aber wenn ich scheitere, weiß ich, dass es ausschließlich(!!) an mir lag. Dass ich alles getan habe. Mehr ging eben nicht.

Dass dies selbst bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag aus der »Fairverlag-Vereinigung« nicht unbedingt so ist, erzähle ich ein anderes Mal am Beispiel eines Autorenkollegen. Ich begegnete ihm in der Klinik und wir haben intensive Gespräche geführt, da er in meinen Augen, keiner von den ganz Bekloppten war, obwohl er genau am richtigen Ort war. Aber davon später mehr ...

Freitag, 8. Juli 2016

Silent Hill

»Silent Hill Teil 1« war, neben »Tomb Raider 1« und »Resident Evil 1«, das erste Videogame, das ich in meinem Leben gespielt habe. Was mich an »Silent Hill« von Anfang an faszinierte, war, dass es vom Gameplay her, eher ruhig war. Es gab keine »kaum zu schaffenden Kämpfe«, keine »fingerbrechenden Jump-and-Run-Einlagen«. Dafür bot es aber eine Atmosphäre, die beim gesamten Spielverlauf, für ununterbrochene Gänsehaut sorgte.

Genau das, was ich an dem Horror mag, den ich als Horror bezeichne. Nicht den »Splatter«, nicht den »Torture Porn« sondern den guten alten »Gothic-Horror«. Düstere Atmosphäre, ein Geheimnis, die Gänsehaut auf den Armen und die Schockmomente, obwohl nur eine Katze vom Dach springt ...




»Silent Hill 2« ist für mich das unerreichteste Horror-Erlebnis bis heute. Hier stimmt nicht nur die Atmosphäre, in ihrer genialen Kombination aus ständiger Bedrohung, Nebel, Soundtrack, Rätseln, Geheimnissen, der Klaustrophobie ... hier liegt dem Spiel auch noch eine Story zu Grunde, die mich am Ende wirklich vor Begeisterung mit offenem Mund vor dem Monitor sitzen lies. Eine derartig, in sich schlüssige Story hatte ich im Horrorgenre bis dahin, und leider auch bis heute, selten erlebt.

Ich rede nicht von dem Film, der zwar die Atmosphäre gut wiedergibt, aber in seinem typisch amerikanischen Versuch, alles plausibel zu erklären, die Grundidee von Silent Hill völlig zunichtemacht. (Ich sage nur: Ehemalige Kohlestadt unter der, bis heute, der Flöz schwelt, als Erklärung für die Farben und Strukturen der Silent Hill Welt, nach dem Ertönen des Gongs? Und mit der Sekte wird es dann ja noch schlimmer!)

Nein. Da haben uns die Japaner einiges voraus, was auch ihre guten Horrorfilme beweisen. In der japanischen Kultur gibt es keine Genregrenzen und das Übernatürliche ist ebenso Bestandteil des Alltags, wie der moderne High-Tec-Computer.

Genau diese metaphorische Idee hinter dem Ort »Silent Hill«, die ich hier nicht verrate, da ich sonst meine eigene Story spoilern würde, hat mich nie wieder losgelassen. Das ist für mich guter Horror: Der Schrecken ist nur eine Metapher für die Sünden der Menschen, für ihre Weigerung,  anzuerkennen, dass jede Handlung ihre Konsequenzen hat. Das ganze gepaart, mit der Bereitschaft, Übersinnliches, Paranormales, nicht wissenschaftlich eindeutig Erklärbares, einfach mal hinzunehmen, schafft für mich, die perfekte Basis, um eine gute Horror-Story zu erzählen, die einfach nur in sich plausibel sein muss.



Aus diesem Grund ist nicht nur das Cover der »Vakkerville-Mysteries«, sondern auch der gesamte erste Zyklus eine Verbeugung vor dem Videogame »Silent Hill 2«.