Donnerstag, 15. Juni 2017

Sage mir, was du liest: "Stuttgart 21 - Sonja" von Michaela Harich


Klappentext:

»Stuttgart 2021 - auf der Suche nach neuen Rezepten, außergewöhnlichen Lebensmitteln und Kochzubehör stoßen Sonja und ihre Freundin auf eine seltsame Pflanze. Als sich Sonja der Pflanze nähert, weiß sie noch nicht, dass sich dadurch ihr Leben von Grund auf ändern wird. Noch während ihre Freundin mit allen Mitteln diese Pflanze in das Restaurant der beiden bringen will, bricht in Stuttgart der Ausnahmezustand aus.«

Der nächste happen aus dem Papierverzierer-Verlag von Michaela Harich.
»Sonja« setzt in der Story vor »Lea« ein, ich denke, man sollte es dennoch erst nach »Lea« lesen, da es in meinen Augen leider abfällt.


Doch das Positive zuerst:
Pluspunkte gibt es von mir immer noch für:
1. Weibliche Hauptfiguren
2. Regionaler Bezug (Stuttgart/Tübingen)
3. Kürze der einzelnen Teile
4. Durchaus erkennbarer Überplot.
5. Actionreiche Handlung

Leider gibt es im zweiten Teil auch einige (in meinen Augen erhebliche) Minuspunkte.
Die Figuren agieren alle irgendwie unglaubwürdig. Eben noch »normale« Kellnerinnen, Köchinnen und innerhalb einer Sekunde perfekte Zombie-Killer-Maschinen. Das ist zwar lustig, wenn die Frau hinter der Theke die Schrotflinte hervorholt und erstmal zwei der von ihnen am meisten gehassten männlichen Gäste abknallt. Bevor diese sich »verwandeln« können. Nur, da die Verwandlung von Menschen in Zombies für diese Person gerade erst wenige Sekunden vorher überhaupt erlebt wurde ... unglaubwürdig.
»Sonja« erzählt die Vorgeschichte, wie es zu den Ereignissen in »Stuttgart 21« kam, was anfänglich zu ein paar eher langweiligen Kapiteln führt. (Darum denke ich, man sollte »Lea« zuerst lesen!) Es scheint, dass die Autorin Veganern und Szenetypen in Stuttgart allgemein eher skeptisch gegenüber ist, was auch einen extremen Humor aufweist. Dies allein würde aber nicht ausreichen, den Leser bei der Serie zu halten.
Problematisch ist für mich der Eindruck, dass die Autorin offenbar mit der »Vorgeschichte« selbst nicht so viel anfangen kann und deswegen übereilt versucht, in die »Zombieapokalypse« zu gehen, die der Leser aus »Lea« kennt und somit zurecht erwartet.
So hatte ich z. B. den Eindruck, dass zwischen Kapitel 3 und 4 eigentlich etwas fehlt. Eben noch ein Besuch auf der Lebensmittelmesse, dann brechen zwei, drei Leute vor einem Restaurant zusammen und »Zack« ist Stuttgart abgeriegelt und im Ausnahmezustand. Hä? Hier wäre doch ein Seitenhieb auf die gute alte deutsche Gründlichkeit und das zu Tode reiten des Amtsschimmels weitaus lustiger (und vor allem plausibler) gewesen. Dass die Behörden doch tatsächlich erst einmal soviel Genehmigungen einholen müssen, bevor überhaupt eine SEK-Einheit losgeschickt wird. Geschweige dann, eine ganze Großstadt so abgeriegelt wird, dass Sonja, gerade von einer ganz normalen Messe kommend, am Hauptbahnhof schon nicht mehr aus der Stadt rauskommt.

Was mich aber viel mehr störte, sind die weiterhin (oder schon wieder) auftretenden sprachlichen Schnitzer. Mehrere Sätze hintereinander mit dem gleichen Wort anzufangen, finde ich nicht sehr schick.

Schlimmer ist allerdings noch, dass auch hier wieder nachlässig überarbeitet bzw. lektoriert wurde. Beispiel:

»... Abriegelung. Wüsste sie es nicht besser, dann hätte sie daran geglaubt, dass im nächsten Moment. Mit beiden Händen wischte sie sich über das Gesicht ...«

Da fehlt doch eindeutig was. Von einem in einem Verlag publizierten Buch, geschrieben von einer Autorin, in deren Vita auf die Erwähnung des Germanistikstudiums wert gelegt wird, darf ich als zahlender Leser durchaus mehr als solche Schlampereien erwarten.

»Stuttgart 21 – Sonja« bietet insgesamt typischen Zombie-Trash, der mit Lokalkolorit und weiblichen Protas punkten kann, in Sachen Sprache und Plausibilität innerhalb der Story allerdings erheblich abfällt.

Letzteres könnte der Grund für mich sein, aus der Serie auszusteigen, da 2,99€ bei knapp 100 Seiten mit diesen miserablen Lektorat nicht gerechtfertigt sind.

Stuttgart 21 - Sonja: Dystopie

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