"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Dienstag, 1. August 2017

Sage mir, was du liest: "Die Reise ins Licht" von Andrej Djakow

Klappentext: »Wie weit würdest du gehen, um das zu retten, was von der Menschheit übrig ist?


Wir schreiben das Jahr 2033. Nach einem verheerenden Atomkrieg vor 25 Jahren ist die Erde unbewohnbar geworden. Die wenigen Überlebenden haben sich in die Tunnel der U-Bahnen zurückgezogen. Dort tragen sie einen ewigen Kampf gegen sich selbst und gegen ihre mutierte Umwelt aus.

Der zwölfjährige Waisenjunge Gleb fristet sein Dasein in der Petersburger Metro, doch sein Leben ändert sich schlagartig, als er den Stalker Taran trifft. Gemeinsam mit einer Gruppe Söldner und einem Priester der neuen Religion „Exodus“ begeben sie sich auf eine gefährliche Mission an die Oberfläche. Durch die Trümmer St. Petersburgs müssen sie sich nach Kronstadt durchkämpfen, denn dort wurden von Erkundungstrupps Lichtsignale gesehen. Doch von wem stammen die Signale?«

Ich liebe postapokalptiysche Geschichten seit ich »Mad Max 2« gesehen habe. Das Sujet hat einerseits das archetypische eines Westerns, lässt andererseits aber ungeheuer viel Freiheit in der Gestaltung, da auf jegliche historische Korrektheit verzichtet werden kann.
Meist sind sie in der Art des zynischen Neowestern, denn auch wenn die Rollen klar verteilt scheinen, wer in einer Welt, in der jeder um’s Überleben kämpft, kann schon als Held bezeichnet werden.
Mich interessierten auch nie die Stories, in denen irgendwie lang und breit erklärt wird, wie es zu den geschilderten Umständen kam. Einfach rein in die Geschichte und gut ist. (Vielleicht muss ich dazu erwähnen, dass ich »Mad Max 2« in einer Art Überraschungsvorstellung sah und nicht wusste, was auf mich zu kam. Und dann dieser Einstieg!)

»Metro 2033« von Dmitry Glukhovsky ist für mich bis heute eines der stärksten Bücher des postapokalyptischen Szenarios. Ich habe nie die direkten Nachfolgebände von Glukhovsky selbst gelesen. Die Geschichte war für mich mit dem ersten Band zu Ende erzählt. Und zwar verdammt gut zu Ende gebracht.

Die sog. »St. Petersburgtrilogie« von Andrej Djakow reizte mich von daher mehr. Denn allein der Wechsel des Schauplatzes, schien mir vielversprechend.

Wie man dem Klappentext entnehmen kann, führt uns Djakow aber nicht nur in eine andere Stadt, sondern auch weit aus der Metro hinaus, bis auf’s Meer. Das macht er allerdings gut. Sehr gut.
Unser Protagonist, wird in seiner unfreiwilligen Reise mit den knallharten Stalkern, von einem Schrecken in den nächsten geworfen. Ein wenig musste ich bei den ganzen Prüfungen aus Mutanten, Monstern, unwegsamen Gelände, Schlaflosigkeit und Kannibalen an ein Buch denken, dass wir als Kinder des Eisernen Vorhangs in der Schule lesen mussten. (»Wie der Stahl gehärtet wurde«)
Moralapostel mögen sich vielleicht fragen, ob ein Zwölfjähriger wirklich so etwas erleben und überleben würde. Ob er wirklich so handeln würde, wie es Gleb irgendwann tut. Im o. g. Szenario ist es durchaus plausibel.

Djakow gönnt sich den interessanten Luxus, nicht nur eine spannende, actionreiche Story über den Kampf ums nackte Überleben zu erzählen, sondern beginnt etliche Kapitel auch mit beinahe philosophischen Gedankenspielen. Und hier liegt auch eine der Stärken von »Die Reise ins Licht«. (Vom wirklich guten Twist am Ende, der mit dem des ersten »Metro 2033« durchaus mithalten kann, mal abgesehen.)
Der Autor nutzt das postapokalyptische Sujet zu einer Abhandlung über die Menschlichkeit. Was ist es, was uns als Menschen ausmacht? Eine mögliche Antwort verbirgt sich darin, dass unser zwölfjähriger Junge, nach unendlichem Töten und Kämpfen, die Frage für sich beantworten kann, undd seine Reise, die eigentlich eine Reise in die Finsternis ist, doch noch zu einer Reise ans Licht wird.

Auf jeden Fall werde ich auch die nächsten beiden Bände in Augenschein nehmen, denn Djakows Ausflug ins »Metro 2033 Universum« gehört zu den besseren Werken der postapokalyptischen Geschichten.

Verdiente 4 Sterne bei Amazon.








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen