"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Mittwoch, 9. August 2017

Sage mir, was du liest: "Die Stadt" von Andreas Brandhorst

Klappentext: »Nach einem Unfall ist es für Benjamin Harthman, eines der Opfer, schon zu spät: Er ist tot. Doch dann wacht Harthman wieder auf, mitten in einer seltsamen Stadt, einer Stadt voller verstorbener Menschen. Ist es das Paradies oder gar die Hölle? Benjamin Harthman macht sich auf die gefahrvolle Suche nach dem Geheimnis dieses seltsamen Ortes …«

Ein Science-Fiction-Autor macht einen Ausflug in eine Art Psycho-Mystery-Fantastik und ... WHOW!


Murakami »Hard Boiled Wonderland« trifft auf Kafka, den Film »Dark City«, »Shutter Island« und die Serie »Lost«, um am Ende etwas Eigenes zu kreieren, dass mich beinahe sprachlos zurücklässt.
Was für ein Buch.

Andreas Brandhorst ist in erster Linie Science-Fiction-Autor und die meisten negativen Rezensionen, die »Die Stadt« erhalten hat, stammen wohl von den SF-Fans unter seinen Lesern.

Ich kannte Brandhorst nicht, dazu lese ich viel zu selten Science-Fiction, aber irgendwann entdeckte ich »Die Stadt« und der Klappentext, sowie einige Inhaltsangaben machten mich neugierig.

»Die Stadt« ist ein lupenreiner Mystery-Thriller, mit einer ordentlichen Portion Psycho-Horror a la »Silent Hill«. Angereichert mit philosophischen Gedanken über den Tod, das Jenseits und damit über den Sinn des Lebens und ... einem ganz großen Wort, das eigentlich immer mit dem Tod in Verbindung gebracht wird: Erlösung.

Geschickt hält Brandhorst die Spannung dadurch aufrecht, dass er nicht nur seinen Protagonisten, sondern auch den Leser, lange mit der Frage quält, was ist die Stadt. Ab der Hälfte des Buches glaubt man die Lösung gefunden zu haben, aber so naheliegend die Parallelen zu »Shutter Island« auch scheinen ... In diesem Fall gelingt dem Autor am Ende ein großartiger Twist, der zumindest alle meine Vermutungen aufs Glatteis laufen ließ.

Bis dahin hat man eine spannend erzählte Story, mit einigen ordentlichen Action-Sequenzen, immer wieder philosophischen Gedankenspielen (meist in Form von Dialogen) die einen großartig düsteren Grundton aufweist.

Sprachlich ist »Die Stadt« perfekte Handwerkskunst. Vor meinem inneren Auge sah ich ständig die Kulisse des Films »Dark City« vor mir. Es gibt keine Längen in der Handlung. Viele Motive (Labyrinth, Metro?), Schattenkreaturen, Nebel, verfeindete Lager aus streunenden Unabhängigen und einer sektenähnlichen Gemeinschaft ... ja man kennt sie, wenn man schon viele Bücher gelesen und Filme gesehen hat.
Aber Andreas Brandhorst vermischt sie gekonnt, zu einem Cocktail, der viele Genres streift und sich ihnen doch auf angenehme Art entzieht. Somit ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich.

Es geht auch bei »Die Stadt« nicht darum, eine neue Geschichte zu erzählen.

Sondern einfach nur, eine spannende Geschichte zu erzählen, die uns (fast schon märchenhaft) am Ende noch die Chance gibt, über ihre Moral nachzudenken. Muss man aber nicht.

Freunde von als (hinkende) Vergleiche oben herbeizitierten Büchern, Filmen und Videospielen sei »Die Stadt« aufs Wärmste empfohlen. Ich werde mir jetzt mal die anderen beiden Nicht-Science-Fiction-Bücher von Brandhorst anschauen. Seine SF interessiert mich immer noch nicht. (Ebenso geht es mir bei Ian Banks mit »Wespenfabrik«. Auch ein Science-Fiction Autor, der mal was anderes schrieb.)

Verdiente 5 Sterne auf Amazon

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