Samstag, 31. März 2018

Sage mir, was du liest: "Das Herz von Veridon" von Tim Akers

Klappentext: Mein Name ist Jacob Burn. Ich war an Bord eines Zeppelins, als er vom Himmel fiel. Ich stürzte mit den Flammen und zerschmetterten Getrieben in den dunklen Fluss hinab und überlebte. Der Himmel mag mich wohl nicht besonders. Aber noch weniger mögen mich die Leute, die mich jagen. Sie sind hinter dem Artefakt her, das mir ein alter Bekannter vor dem Zeppelinabsturz in die Hand gedrückt hat. Keine Ahnung, was es damit auf sich hat, aber es scheint ziemlich bedeutend zu sein. Schließlich will man mich dafür töten. Meine Stadt Veridon ist ein gefährlicher Ort. Aber wenn es sein muss, kann ich noch viel gefährlicher sein ...


Was verstehen Sie unter Steampunk?

Eine Geschichte, die in einem möglichst historisch korrektem viktorianischen London spielt? Wo ein paar Zeppeline am Himmel kreisen, ein paar dampfbetriebene Maschinen ihre Tätigkeiten verrichten, sonst aber eigentlich alles so ist, wie es Ihnen vertraut ist? Die Hauptfigur ist eine kurvenreiche, junge Frau, die neben engen Lederklamotten eine Fliegerbrille trägt? Vielleicht noch ein paar Zahnräder als Schmuck? Die gegen Zombies, Werwölfe und eine Geheimbundverschwörung mit ein paar Dampf-Killer-Robotern kämpft und sich dabei in den schönen Vampir verliebt?
Dann lassen Sie bitte die Finger von »Das Herz von Veridon« und greifen zu den Büchern, die all das, was ich oben beschrieben habe, bereits auf dem Umschlagbild zeigen.

Sind Sie allerdings ab und zu mal auf der Suche nach einem Buch, das gekonnt alle Vorstellungen über den Haufen wirft, dass ein Szenario aufzeigt, dass so fremd, so schwer zu verstehen ist und das Genre »Steampunk« als eine Spielart der »Fantasy« voll ausreizt. Dann folgen Sie Tim Akers nach Veridon.

Einer Stadt, die auf/in/über einem riesigen Wasserfall errichtet wurde und deren Macht auf gefundenen und durch eine Kirche nach und nach veränderten mechanischen Artefakten beruht. Artefakten, die nicht nur Luftschiffe, sondern auch eine Art von Cyborgs erschaffen.

Folgen Sie Jacob Burn, der einst ein Adliger und Luftschiffpilot war, zu den Obersten von Veridon gehörte und durch irgendetwas zu Fall kam. Jetzt als Verbrecher arbeitet und durch Zufall an so ein Artefakt gelangt. Von da an ist er ein Gejagter. Er, und der Leser, weiß lange nicht, wer (na gut, eigentlich ALLE) ihn jagt und vor allem Warum.

Akers wirft seinen Protagonisten ebenso wie den Leser sofort in das Setting und die Handlung und das ist gut so. Es gibt keine langen Erklärungen, wie diese Welt funktioniert. Ja, sie trägt deutliche Züge des Steampunk und ist in ihrem radikalen Entwurf mit »Die Götter von Whitechapel« vergleichbar. Wartet mit mechanischen Engeln, sog. Fötalmetallen, Mechagenetik, mit im Wasser »lebenden« Leichen und mit humanoiden Arachnoiden auf. Einem Protagonisten, der von Anfang an ständig auf die Fresse bekommt, doch er ist, wie fast alle und alles in Veridon, mechanisch verändert, also überlebt er.

Der Spannung tut das keinen Abbruch, da Akers sein Handwerk des guten Drei-Akt-Plots mit allen Twists und Höhepunkten versteht. Darüber hinaus bietet der Einfallsreichtum des Autors einfach zuviel, an dem sich der (mit ein bisschen Fantasie und Vorstellungskraft begnadete) Leser erfreuen kann. Selbst ein kleiner Funken (ritterlicher) Romantik ist vorhanden und der lakonische Ich-Erzähler packt speziell in seinen Dialogen mit dem Anansi Wilson (das ist so ein humanoider Arachnoide) noch eine gehörige Portion Humor dazu.

»Das Herz von Veridon« ist eine rasant erzählte Räuberpistole, die das Sujet »Steampunk« endlich mal wieder voll und ganz ausreizt.
Fantasy, die eben nicht im Mittelalter, sondern in einem industriellen Retrofuturismus angesiedelt ist und mehr Züge von Science Fiction, denn von Tolkien trägt.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Es gibt einen weiteren Band (der zwei Jahre später handelt), auf den wird aber nicht mit einem fiesen Cliffhanger abgezielt.

4 solide Sterne

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